August 2016 war ich in Schweden ... meinem Seelenland

Da meine Wahrnehmung von Natur aus journalistisch geprägt ist, bin ich weit davon entfernt, die Dinge mit der rosaroten Brille zu sehen. Aber natürlich bin ich mit einem gewissen Gefühl nach Schweden gefahren. Das erste Mal in meinem Leben, nachdem es mir die Wallander Krimis bereits dem Herzen sehr nahe gebracht haben. Schon, als die Fähre gar nicht mehr weit vom schwedischen Festland in Trelleborg entfernt war wusste ich, dass es richtig ist. Es fühlte sich wie eine Befreiung an, Deutschland hinter sich zu lassen. Dazu muss man wissen, dass ich nicht gerade zu den Reiselustigen gehöre, schon alleine, weil ich Ostfriesin bin. Wenn die ihren Schornstein nicht sehen, dann geht es ihnen schlecht, habe ich mal gehört. Und ja, es stimmt, ich schlafe am liebsten in meinem eigenen Bettchen und esse von meinem Tellerchen. Nein, Spaß beiseite.

Schweden ist mein Seelenland.

Weite Felder, wo nur hier und da ein kleiner Hof aufblitzt, der wie dahingekleckst wirkt. Wohnen da wirklich Menschen? Und was machen sie den ganzen Tag, wenn sie nicht shoppen gehen können? Hört sich blöd an die Frage. Aber ganz ehrlich, bei mir in Leer in Ostfriesland und umzu, da geht es wirklich nur noch darum, einzukaufen, etwas zu unternehmen und zu shoppen, bis der Arzt kommt.

In Schweden hingegen wirken die Autobahnen wie leergefegt. Kilometerweit fährt man über Straßen, ohne auf jemanden zu treffen, der einem an der Stoßstange klebt oder Stoßgebete gen Himmel richtet, weil man ihn nicht überholen lässt oder einfach langsamer fährt. Langsam. Das Wort sollte sich Schweden patentieren lassen. Ich bin noch nie so entschleunigt gewesen. Ich habe noch nie so viel gegähnt wie in Schweden. Und das ist ein gutes Zeichen, da ich völlig entspannt war.

Die erste Station war Simrishamn. Ein wundervoll kuscheliges Städtchen, das früher einmal ein Fischerort war, doch heute den Touristen vorbehalten ist. Selbst dort kam ich mir nicht plattgetrampelt vor. Abends auf dem kleinen Balkon zu sitzen direkt an der Straße und aufs Wasser zu sehen, während man einen Wein trinkt. Völlig unaufgeregt. Ich hätte in solchen Momenten sterben können und würde es keine Sekunde bereuen. Das Restaurant in dem Hotel bot eine Küche, die man auf den ersten Blick nicht erwartet hätte. Und das hat mich am meisten an Schweden überzeugt. Sie müssen nicht so tun als ob, sie sind einfach gut. In jedem Hotel wurde auf die gute und gesunde Ernährung größten Wert gelegt. Und die vielen Elternpaare, die ich auf der Reise sah, hatten alle Kinder, die Gemüse und Salate aßen. Am liebsten hätte ich sie fotografiert, wenn die Salatblätter in ihren Mündern verschwanden. In Deutschland undenkbar, ein Abend ohne Pommes und Curry Wurst oder Döner.

Was ich nicht vermisst habe in Schweden: Felder, auf denen nur noch Mais angebaut wird. Überfüllte Autobahnen und Straßen. Ampeln! Denn Ampeln sind in Schweden wohl zu kostspielig in der Herstellung, so dass selbst jede Autobahn irgendwann in einem Kreisel endet. Oder sind sie einfach nur schlauer bei der Verkehrsplanung? Wahrscheinlich. Eisdielen. Ich gebe zu, als wir in Göteborg waren und die Sonne vom Himmel knallte, da kam der übliche Reflex, irgendwo für einen Eisbecher mit überwiegend Sahne über fünf Euro hinzulegen. Aber ich wurde gerettet, weil es dort einfach keine Eisdiele gab. Oder ich war zu blind, um sie zu finden. Genauso fehlten mir nicht die vielen Backshops, die in Deutschland das Überleben vieler Weißmehlabhängigen sichern. Brot wird noch in kleinen Bäckereien gebacken und regional verputzt. Deshalb habe ich auch viele verschiedene Brotsorten, eine schmackhafter als die andere, kennen- und lieben gelernt. Wie soll ich jetzt noch jemals Wasa essen?

Aber ich will nicht voreilig sein, es gibt sicher auch ganz schreckliche Dinge in Schweden. Und die werde ich mir dann bei meiner nächsten Reise angucken. Wenn ich sie finde.

Mein Traum ist es, irgendwann ein kleines Holzhäuschen in einem Wald in der Nähe eines Gewässers oder ganz utopisch, am Meer zu haben. Endlich wieder Ruhe fühlen ... Und ab und zu in den nächsten Ort fahren, vielleicht alle vierzehn Tage, um mich mit regionalen Produkten zu versorgen, die ich dann mit dem nötigen Respekt, den alle Lebensmittel verdient haben, verspeise und nicht wegwerfe. Mit den Tieren, die an meinem Häuschen vorbeiziehen, zu leben und ihnen abends eine gute Nacht zu wünschen.

Eure Moa